Die Party ist vorbei!!!

Von Geon von Greyerz:

"Es bleibt noch Zeit, um Maßnahmen zu ergreifen. Doch denken Sie daran, dass wir unmittelbar vor dem Ausbruch einer Flut der Zerstörung stehen, die die Welt, wie wir sie kennen, bis zur Unkenntlichkeit verändern wird."

“What a difference a day makes”!” Ok, es gibt keine Sonne und keine Blumen, von denen Dinah Washington in ihrem Lied singt, sondern eher Sturm und Regenschauer. Für alle, die sich nicht an Dinah erinnern, Amy Winehouse hat eine neuere Version dieses Songs gemacht. Vergangene Woche habe ich Investoren erneut und mit größtmöglichen Nachdruck auf die Risiken an den Märkten hingewiesen. Und was war jetzt der Auslöser? War es die Zinserhöhung durch die Fed? Oder der Handelskrieg mit China? Vielleicht war es sogar Kavanaugh?

Man darf einfach nicht glauben, vorhersagen zu können, wann genau etwas passieren wird. Man kann auch nicht wissen, was genau eine Marktwende einleiten wird. Was wir aber seit geraumer Zeit wussten: Die Märkte sind extrem anfällig für eine Wende.

Letzte Woche hatte ich in meinem Newsletter Folgendes geschrieben:

Mit Blick auf 19 „Hindenburg-Omen“ seit August (ein sehr negatives technisches Signal) macht der US-Markt jetzt einen sehr anfälligen Eindruck. Gleiches gilt für die meisten großen Aktienmärkte weltweit, nach einem der längsten und steilsten Bullenmärkte der Geschichte. Ob wir noch eine finale, abschließende Aufwärtsbewegung erleben werden, ist irrelevant. Wir haben maximales Risiko erreicht und stehen ganz kurz vor dem Beginn des größten säkularen Bärenmarkts der Geschichte. Jetzt ist die Zeit, auf der sicheren Seite zu stehen, anstatt anschließend alles bedauern zu müssen.“

 

Und so geschah es. Innerhalb von zwei Tagen fiel der Dow um 1540 Punkte, um an Ende dieser beiden Verlusttage mit 1.100 Punkten im Minus zu schließen. Nach Erreichen des Dezember/ Januar-Hochs hatte der Dow 10 Monate gebraucht, um ein neues Hoch zu markieren. Aber das war‘s dann auch!         

 

79 MÄRKTE SEIT LETZTER WOCHE IM MINUS

Mit Blick auf die 79 Marktindizes, die letzte Woche im Minus schlossen, kamen meine Warnungen sicherlich rechtzeitig. 12 Märkte verzeichneten Verluste von mehr als 5%, allen voran Shanghai, Ägypten, Taiwan und Stockholm. Ich habe es schon oft gesagt: Markttiming ist eine brotlose Kunst, nur wenige habe die Gabe von Nostradamus. Entscheidend ist nicht, Hochs und Tiefs genau bestimmen zu können, entscheidend ist, das Risiko zu verstehen. Das globale Risiko hat Extremstände erreicht, und jeder, der versucht, die Marktspitze abzupassen, spielt ein sehr gefährliches Spiel – mit dem Risiko, alles dabei zu verlieren. Man kann argumentieren, dass ein 4-5%iger Rückgang an diesen Märkten, die seit 2009 um ein Vielfaches gestiegen sind, völlig unbedeutend ist. Doch die meisten Investoren werden von Gier und nicht von Umsicht angetrieben. Seit fast 10 Jahren hat dieser Bullenmarkttrend keine gravierende, nachhaltige Korrektur mehr gesehen, also ist Daueroptimismus das Richtige gewesen.

 

DIE MEISTEN INVESTOREN WERDEN DEM MARKT BIS ZUM TIEFPUNKT FOLGEN

Wenn die eigentliche Wende kommt, werden die Daueroptimisten den Markt nach einer Korrektur von 5%, 10% oder sogar 20% nicht verlassen. Denn 20% bringt uns nur 5.300 Punkte runter auf das Niveau vom Juni 2017. Das ist nichts im Vergleich zu jenem Anstieg von 20.000 Punkten, den es seit 2009 gegeben hat. Die meisten Investoren werden dem Markt bis zum Tiefpunkt folgen, unabhängig davon, wo sich dieser Tiefpunkt befindet. Das Nicht-Aussteigen hat in den letzten 86 Jahren auch hervorragend funktioniert. Doch als der Dow-Index in den Jahren 1929-32 abstürzte und 90 % verlor, musste man extrem geduldig sein, bis die Verluste wieder wettgemacht waren. Ganze 25 Jahre dauerte es, bis sich der Markt erholt hatte und wieder auf dem Niveau von 1929 stand, und das war noch vor der Zeit der Inflationsbereinigung.

Doch diesmal ist es völlig anders. Die Blasen an den Anlage- und Schuldenmärkten sind heute um ein Vielfaches größer, besonders dann, wenn man ungedeckte Verbindlichkeiten und Derivate mit einbezieht. Außerdem haben wir es diesmal mit einem wahrhaft globalen Problem zu tun – mit Bubbles auf allen Kontinenten und in praktisch jedem Land. Wenn dieser Abschwung jetzt einsetzt, wird es keinen Ort mehr geben, an dem man Zuflucht suchen kann. Kein Land wird sich der anstehenden globalen Ansteckung mit Vermögens- und Schuldenimplosion entziehen können. Zudem wird es kaum Menschen geben, die von den Ereignissen nicht schwer betroffen sein werden – ob nun finanziell, von Hunger, sozialen Unruhen, oder auf den Ebenen Sicherheit, Gesundheit, etc.

 

IST DAS MARKTHOCH ÜBERSCHRITTEN?

Die Wahrscheinlichkeit, dass die globalen Märkte inzwischen ihre Höchststände hinter sich haben, ist sehr hoch. In einem jahrzehntelangen Bullenmarkt besteht immer die Chance auf ein weiteres, letztes Hurra. Allerdings scheint es jetzt viel unwahrscheinlicher. Man darf nicht vergessen, dass die Märkte nur ein Konjunkturbarometer sind. Die meisten Menschen auf der Welt sind nicht direkt von dem betroffen, was mit den Aktienmärkten passiert. Von jenen 7 Milliarden Menschen verfügt ein extrem geringer Prozentsatz über direkte Börseninvestitionen oder angemessen kapitalgedeckte Pensionssysteme.

 

Aktuell sieht es ganz so aus, als ob sich der säkulare Bullenmarkt bei Aktien in einen säkularen Bärenmarkt verkehrt, der mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, andauern könnte. Die Börse fungiert als Stimmungsindikator für das Geschehen in der Realwirtschaft. Kein Indikator ist perfekt und die Bewegungen an den Aktienmärkten werden in beide Richtungen übertrieben sein. Inzwischen ist es wahrscheinlich, dass die Welt am Wendepunkt zu einem wirtschaftlichen Abschwung epischer Dimensionen steht.

 

SCHULDENBASIERTER LEBENSSTANDARD

Der Aufschwung der letzten Jahrzehnte war bemerkenswert, allerdings hat er immer weniger Menschen genützt. In den USA hat der durchschnittliche Arbeiter beispielsweise seit 1970 mit sinkenden Reallöhnen zu kämpfen. Die scheinbare Verbesserung der westlichen Lebensstandards ist insgesamt schuldenbezogen. Es ist natürlich wunderbar, den eigenen Lebensstandard durch den Kauf von Häusern, Autos, iPads usw. verbessern zu können, indem man sich Geld leiht. Das Problem ist nur: Wenn die Party einmal vorbei ist, werden diese Schulden nie und nimmer zurückgezahlt werden können. Die Folge sind Schuldenausfälle und eine Implosion der Vermögenswerte.

Letzte Woche konnte ich ein weiteres Beispiel für diese Blubble-Assets beobachten. Ich war auf den Balearen, auf Ibiza und Mallorca, wo ich zu einer Hochzeit eingeladen war. Diese Inseln sind voller Ferienimmobilien, welche teils einstellige oder sogar zweistellige Millionen €-Beträge kosten. Die Yachthäfen sind vollgepackt mit hunderten Yachten mit Längen zwischen 15 Metern bis deutlich über 30 Metern. Ich wäre überrascht, wenn diese Immobilien und Boote bis 2025 weniger als 90 % ihres Wertes in Euro verloren hätten. Wohl kaum eine gute Investition für heute!

 

KONSUMDENKEN ABSTELLEN

In meinem Artikel von vor vier Wochen hatte ich das Verhältnisdiagramm der Amazon-Aktie zum XAU Gold- und Silber-Aktienindex gezeigt. Das Diagramm veranschaulicht die massive Blase im Konsumverhalten (plus den Erfolg von Amazon) im Vergleich zu physischen Anlagen. Ich hatte dazu Folgendes angemerkt:

 

„Der Chart unten ist ein perfektes Beispiel dafür. Seit Amazons Erstauftritt an der Börse 1997 stieg die Aktie des Unternehmens um das 1.550-fache oder um 155.000 % gegenüber dem Gold- und Silber-Index XAU. Es wäre möglich, wenn auch heute nahezu unvorstellbar, dass sich diese Entwicklung exakt verkehrt und der XAU bis 2025 gegenüber Amazon mit 155.000 % im Plus steht. Klar ist zumindest, dass die Bubble-Assets ihre großen Tage hinter sich haben und einen brutalen Einbruch entgegensehen.”


Jetzt, vier Wochen später, hat Amazon 20% gegenüber dem XAU verloren. Aber das ist erst der Anfang. Jeder verbrauchernahe Vermögenswert dürfte in den nächsten Jahren mindestens 90% gegenüber physischen Vermögenswerten und mit Sicherheit gegenüber Edelmetallen verlieren.

 

DIE PARTY IST VORBEI

Noch nie gab es so klare Argumente für Vermögensschutz. Wie man in den letzten Jahren sehen konnte, können Blasen immer weiter wachsen. Besonders dann, wenn ihnen ständig Treibstoff in Form von Kredit- und Geldschöpfung zugeführt wird. Doch die Zeit der leichten Profite an den Märkten ist vorbei. Angesichts geldpolitischer Straffungen durch die Fed und andere Zentralbanken sowie der Aufwärtswende beim 35-jährigen Zinszyklus ist die Party jetzt vorbei. Und bald wird sich die Welt nicht nur an die guten alten Zeiten erinnern. Nein, Menschen, Regierungen, Banken und Unternehmen werden alle darum kämpfen, die kommenden Jahre finanziell und physisch zu überleben. Die sogenannten guten Zeiten, die alle auf Schulden aufgebaut waren, werden bald in Vergessenheit geraten sein.

 

VERMÖGENSSCHUTZ IST FÜR ALLE – OB REICH ODER ARM

Wie ich schon oft erwähnt habe, kann sich fast jeder – im Westen wie im Osten – vor dem schützen, was kommt. Wenn Sie ein geringes Einkommen haben, kaufen Sie ein Gramm Gold für 40 $, wann immer Sie es sich leisten können. Und wenn Sie reich sind, kaufen Sie ein Kilo für 40.000 $ oder eine Tonne für 40 Millionen $. Oder Sie kaufen eine Unze Silber für 15 $, ein Kilo für 500 $ und eine Tonne für 500.000 $.

 

Es ist also ein Irrglaube, dass Edelmetalle nur für die Reichen bestimmt sind. Praktisch jeder kann es sich leisten, etwas Silber oder Gold zu besitzen. Das sollte man übrigens auch seinen Kindern und Enkeln sagen. Denn jede Ansparung von Silber oder Gold wird in den nächsten Jahren äußerst wertvoll sein. Man schaue sich nur die Venezolaner an. Die ganz wenigen, die vor einigen Jahren Edelmetalle gekauft hatten, verfügen heute in Bolivar gerechnet über ein Vermögen, nach einer Inflation von 1 Million Prozent allein im Jahr 2018.

 

Für den Fall, dass einem Land das Geld ausgeht, kennen die Zentralbanken kein anderes Heilmittel als unbegrenzte Geldschöpfung! Die derzeitigen geldpolitischen Straffungen seitens der Fed und anderer Zentralbanken werden noch für begrenzte Zeit anhalten. Wenn der Markt igendwann zusammengebrochen ist und die Wirtschaft abstürzt, werden die Zentralbanken wieder auf dieses Mittel zurückgreifen und große Geldmengen schöpfen. Wie immer werden sie damit zu spät am Start sein und den tatsächlichen Entwicklungen hinterherhinken. Die Geldschöpfung wird also keine positiven Auswirkungen mehr auf die Wirtschaft haben, sondern dazu führen, dass Währungen wertlos und die meisten Menschen mittellos werden.

 

Es bleibt noch Zeit, um Maßnahmen zu ergreifen. Doch denken Sie daran, dass wir unmittelbar vor dem Ausbruch einer Flut der Zerstörung stehen, die die Welt, wie wir sie kennen, bis zur Unkenntlichkeit verändern wird. 

 

GoldSwitzerland.com

 

 

 

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